Franzl im Interview: „Vertrauen muss immer eine wichtige Grundlage bleiben“
Von CDU Leipzig

Unser Kreisverbandsmitglied Stefanie Franzl ist neue Bundesschatzmeisterin der Jungen Union Deutschlands. Die Delegierten des Deutschlandtags in Bonn wählten die Landesvorsitzende der Jungen Union Sachsen und Niederschlesien am 16. Oktober mit 92 Prozent. Stefanie Franzl gehört auch unserem Kreisvorstand an. Ein großartiger Erfolg für sie und für den ganzen Kreisverband. Im Gespräch mit Justus Riedel spricht sie darüber, was sie vorhat und was Leipzig davon hat.
Was nimmst du dir als Bundesschatzmeisterin als Erstes vor?
Wir haben auf Bundesebene bereits ein gutes Spendernetzwerk, das es weiter auszubauen gilt. Allerdings wird es nicht leichter, Unternehmen und Personen davon zu überzeugen, in politische Nachwuchsarbeit zu investieren. Hier kommt es stark auf persönliche Kontakte an. Mir ist wichtig, diese Beziehungen langfristig und wertschätzend zu pflegen. Schließlich geht es nicht nur darum, Spenden einzuwerben, sondern auch um den Austausch zwischen Wirtschaft und Politik. Gleichzeitig möchte ich unsere Strukturen daraufhin überprüfen, wo wir mit möglichst wenig Ressourcen möglichst viel erreichen können. Denn auch unsere Verbandsarbeit wird immer teurer. Allein die Kosten für Veranstaltungen sind erheblich gestiegen. Da gibt es also genügend zu tun.
Viele unserer Ortsverbände führen selbst eine Kasse. Erklär ihnen, was du als Bundesschatzmeisterin konkret machst.
Die Bundesgeschäftsstelle unterstützt mich bei der Finanzverwaltung und den organisatorischen Aufgaben. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit ist aber die Spendenakquise. Ich muss Unternehmen und Personen davon überzeugen, dass es sich lohnt, in die Junge Union und ihre Mitglieder zu investieren. Gleichzeitig bin ich als Bundesschatzmeisterin Teil des geschäftsführenden Bundesvorstands und damit auch unmittelbar an politischen und strategischen Entscheidungen beteiligt.
Du übernimmst die Finanzen der Jungen Union in einer Phase, in der sie besonders im Blick stehen, und arbeitest beruflich als Compliance-Managerin. Nach welchem Grundsatz führst du die Kasse?
Nur weil ich beruflich aus dem Bereich Compliance komme, bin ich kein Freund übermäßiger Bürokratie. Ganz im Gegenteil. Vertrauen muss immer eine wichtige Grundlage bleiben. Gleichzeitig müssen finanzielle Prozesse nachvollziehbar sein, Zuständigkeiten klar geregelt und Abrechnungen ordentlich geprüft werden. Dazu gehört auch, dass man selbst die geltenden Richtlinien und Fördermöglichkeiten kennt. So arbeite ich bereits auf Landesebene, wo wir beispielsweise mit unserem RPJ-Leitfaden gute Strukturen geschaffen haben. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sich diese Arbeitsweise auch auf Bundesebene bewährt.
Mit dir sitzt Sachsen wieder im geschäftsführenden Bundesvorstand, zum ersten Mal seit Anfang der Neunziger. Was bedeutet dir das persönlich?
Wer auf einem Deutschlandtag einmal die vergleichsweise kleinen Delegiertenreihen der ostdeutschen Landesverbände gesehen hat, weiß, dass mit der Anzahl der Delegierten auch politischer Einfluss verbunden ist. Das gilt ebenso für die Vertretung im geschäftsführenden Bundesvorstand. Mir geht es dabei nicht darum, den Menschen im Osten nach dem Mund zu reden. Aber wir haben teilweise andere Lebensrealitäten, Ausgangsbedingungen und Verbandsstrukturen. Dafür braucht es Sensibilität, gerade wenn strategische Entscheidungen getroffen oder politische Botschaften formuliert werden. Diese Perspektive möchte ich einbringen.
Woran merken die JU Leipzig und die JU Sachsen in einem Jahr, dass eine von uns im engsten Führungskreis der Jungen Union sitzt? Nenn gern ein konkretes Beispiel.
Ich glaube, wir müssen unsere Mitglieder vor Ort stärker dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und funktionierende Strukturen aufzubauen. Aufgaben müssen auf mehrere Schultern verteilt und Prozesse so organisiert werden, dass nicht alles dauerhaft an einzelnen Personen hängt. Entscheidend ist dabei auch, motivierte Menschen zu finden und ihnen Verantwortung zu übertragen. Das hat allerdings nur bedingt mit meinem Amt als Bundesschatzmeisterin zu tun. Was ich unmittelbar beitragen kann, ist die finanzielle Grundlage für eine starke Verbandsarbeit zu sichern. Denn ohne externe Unterstützung wird es für politische Jugendorganisationen zunehmend schwieriger, ihre wichtige Arbeit vor Ort zu leisten.
Das Interview führte Justus Riedel für das CDU Leipzig Magazin, Ausgabe November 2026.
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